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Botanicals, same same but different

Part 2

Natürlich ist immer besser! So ist die gängige Meinung vieler Verbraucher, wenn es um den Einsatz von Zusatzstoffen wie ätherischen Ölen, Aromen und Extrakten geht. Doch was bedeuten diese drei Begriffe überhaupt und stimmt es wirklich, dass „Chemie“ schlecht ist? Um diese Frage zu beantworten soll am Beispiel, der immer wichtiger werdenden ätherische Öle und Aromen erläutert werden.

Ätherische Öle sind die flüchtigen Bestandteile aus Pflanzenmaterialen und bestehen aus teilweise mehr als 50 verschiedenen einzelnen chemischen Verbindungen. Jedes Öl besitzt dabei artentypische i.d.R. hochkonzentrierte Leitsubstanzen, die den Charakter und meist auch die Wirkung des Öls maßgeblich beeinflussen. Die Öle klassifizieren sich dann wie folgt:

Natürlich:
Ein ätherisches Öl ist natürlich, wenn es aus einem definierten Ursprungspflanze oder einer Subspezies gewonnen wurde und nicht mit Ölen anderer Pflanzen oder synthetischen Additiven versetzt wurde. Das heißt z.B., dass natürliches Thymian Öl nur aus Thymian gewonnen werden darf, um als natürlich zu gelten.
Die natürlichen Öle besitzen dadurch eine einzigartige und sehr komplexe Zusammensetzung aus hoch konzentrierten Leitsubstanzen und vielen oft niedrig konzentrierten einzigartigen Begleitstoffen. Diese geben den Ölen, trotz der geringen Konzentration ihren einzigartigen Charakter und werden daher auch als „Fingerprint Bereich“ bezeichnet. Die besondere Wirksamkeit ist dadurch aber noch nicht garantiert, da nicht alle Inhaltsstoffe zwangsläufig zur Aktivität beitragen, bzw. diese sogar abschwächen können.

Naturidentisch:
Ein naturidentisches ätherisches Öl kann aus natürlichen und/oder naturidentischen Inhaltsstoffen bestehen. So kann z.B. ein besonders seltenes oder teures Öl durch zielgerichtetes Mischen von anderen natürlichen Ölen nachgestellt werden. Diese können, müssen aber nicht, zusätzlich noch einzelne Inhaltsstoffe synthetischen Ursprungs enthalten, die wiederum nur Stoffe sein dürfen, die in der Natur vorkommen. Somit handelt es sich nicht zwangsläufig um rein chemische Erzeugnisse, sondern um Gemische verschiedener Herkünfte, die besonders aus organoleptischen Gründen rekonstruiert wurden. Sollten synthetische Stoffe eingesetzt werden, so handelt es sich um die gleichen Moleküle, die auch in der Natur in der Pflanze vorkommen.

Durch diese Herstellung kann zum einen die Qualität, auch unabhängig von landwirtschaftlichen Ereignissen (z.B. Dürren), eingehalten werden. Zum anderen bieten sich preisliche Vorteile bei der Herstellung, da auf evtl. schlecht verfügbare, empfindlichere oder schwierig kultivierbare Pflanzen verzichtet werden kann.
Ein weiterer Vorteil ist, dass durch diese Herstellung Inhaltsstoffe „geboosted“ werden können und andere ungewollte z.B. bittere Inhaltsstoffe entfernt werden können. Das Fehlen der einzigartigen oft niedrig konzentrierten exklusiven Inhaltsstoffe ist dann wiederum auch der Nachteil dieser Öle, da ebenso mögliche synergistische Wechselwirkungen reduziert werden.

Synthetisch:
Synthetische Öle enthalten Moleküle, die nicht in der Natur vorkommen, aber oft ähnliche organoleptische Eigenschaften aufweisen. Diese werden besonders als Aromen und Geschmacksstoffe eingesetzt. Ein typisches Beispiel ist das Ethylvanillin, das nicht in der Vanilleschote vertreten ist, sondern dort als Methylvanillin vorzufinden ist. Dennoch hat es einen vertrauten Geschmack nach Vanille.

Abschließend bleibt die Frage, welches Öl ist das bessere?! Diese Frage lässt sich leider nicht so einfach anhand der Herkunft beantworten. Maßgeblich für die Wirkung sind, neben der Gesamtmenge des ätherischen Öls (Dosis -> Wirkung vgl. Paracelsus), oft die hochkonzentrierten Leitsubtanzen, die sowohl in natürlichen als auch naturidentischen Ölen guter Qualität zu finden sind. Diese können dann in beiden Fällen synergistisch kombiniert werden, wodurch die Wirksamkeit in diesem Punkt bei beiden vergleichbar ist.

Die natürlichen Öle besitzen durch ihre einzigartigen Inhaltsstoffbreite zusätzlich das Potential weiterer Wechselwirkungen. Ihre Rolle und der Einfluss auf die Wirkung sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Sowohl positive als auch negativ Effekte, wie eine erhöhte Giftigkeit, sind bekannt. Wohingegen die Wirkung und Wechselwirkungen vieler Leitsubtanzen oft schon gut belegt sind (z.B. Carvacrol + Thymol + Linalool in Oregano Öl). Darüber hinaus sind diese exklusiven Inhaltsstoffe nur niedrig konzentriert, welches ihren Einfluss bereits relativieren kann.

Damit haben natürliche Öle über die Wirkung der Leitsubstanzen hinaus, ein zusätzliches Potential für noch unbekannte Interaktionen (negativ & positiv) sind jedoch häufig teurer und weniger standardisiert. Somit lässt sich die Frage nach der besseren Qualität nicht abschließend beantworten und am Ende müssen ökonomische und wissenschaftliche Faktoren gemeinsam berücksichtigt werden, um das für eine spezifische Anwendung beste Öl zu finden.

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